Gesellschafterversammlung für Verlagerung der Akutmedizin

Hersfeld-Rotenburg, 7. September 2020 - Die Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg hat sich heute für die Umsetzung der im Curacon-Gutachten empfohlenen Maßnahmen ausgesprochen und somit auch für eine Verlagerung der Akutmedizin des Herz-Kreislauf-Zentrums in das Klinikum Bad Hersfeld.

Die Gesellschafter teilten die Auffassung des Aufsichtsrats, dass die wohnortnahe gute medizinische Versorgung und der Erhalt tausender Arbeitsplätze dauerhaft nur sichergestellt werden könnten, wenn die vorgesehenen Maßnahmen im Wesentlichen umgesetzt werden. Entgegen der jüngst erhobenen Forderungen auf Aussetzung der Beschlüsse sei die schwierige Lage des Klinikums nur durch eine schnellstmögliche Bündelung aller Kräfte, das zügige Heben von Synergien und den entschlossenen Abbau von Doppelvorhaltungen erreichbar. 

Die Entscheidung der Gesellschafter berücksichtigt insbesondere auch die Empfehlungen der Chefärzte des Unternehmens. Die Mediziner hatten bereits in der vergangenen Woche positive Signale gesendet und angekündigt, sich in Arbeits- und Projektgruppen zu den jeweiligen Zentren zu engagieren und an der Optimierung der strukturellen Bedingungen für eine fortschrittliche Medizin im Landkreis Hersfeld-Rotenburg mitzuwirken. Die Gesellschafter hoffen, dass sich auch die Betriebsräte und die Gewerkschaft ver.di konstruktiv in den nun anzugehenden Prozess einbringen werden. 

Das Gutachten zeige einen Weg auf, wie und durch welche Maßnahmen das Klinikum zukunftsfähig aufgestellt werden könne. Die Pläne der Curacon sehen demnach keineswegs vor, das HKZ in Rotenburg zu schließen, sondern durch einzelne gezielte Maßnahmen eine zukunftsfähige Struktur des gesamten Unternehmens zu bündeln. Die kardiologische und neurologische Reha-Abteilung sollen am Standort in Rotenburg bestehen bleiben. Die Akutmedizin soll nach einer mehrjährigen Übergangsphase mit den Angebotsspektren in Bad Hersfeld angepasst werden. Ziel sei es insbesondere, die medizinische Expertise des HKZ zu erhalten und weiterhin eine „moderne Herzmedizin“ anzubieten, die ansonsten für immer verloren gehe. 

Landrat Dr. Michael Koch betonte noch einmal, dass ohne Veränderungen eine große Zahl an Arbeitsplätzen an beiden Klinik-Standorten unmittelbar auf dem Spiel stehe. Der Landrat: „Das Klinikum hat im Jahr 2019 jeden Monat mehr als eine Million Euro Defizit erwirtschaftet und das trotz hoher Arbeitsbelastung und guter medizinischer Leistungen. Die Zukunftsperspektive ist düster: wenn wir heute nichts ändern, sind künftig jährlich zweistellige Millionendefizite vorprognostiziert, das Ende eines Klinikums in kommunaler Trägerschaft mit 3.000 Arbeitsplätzen vorprogrammiert. Eine Sanierung der Häuser ist nach Aussage der Experten daher allein durch einschneidende Strukturmaßnahmen zu schaffen. So schwer es uns auch fällt: wenn wir die stationäre Versorgung in kommunaler Hand behalten wollen, müssen wir bereit sein, den im Gutachten aufgezeigten und als zukunftsfähig bewerteten Weg zu gehen. In diesem Zusammenhang verweise ich nochmals darauf, dass gerade erst der seinerzeitige Erwerb des HKZ uns heute überhaupt die Chance eröffnet, den Gesamtkonzern in kommunaler Trägerschaft zu halten. Und auch wenn manche Kritiker es vielleicht in Zweifel ziehen: Niemand hat es sich leicht gemacht - Wir wissen, dass dieses nach sorgfältiger Abwägung eine sehr schwierige, ja schmerzliche Entscheidung ist. Die Gesellschafterversammlung hat heute ausschließlich im Interesse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns und aller Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landkreises entschieden. Die Veränderungen aufzuschieben oder gar zu verhindern, würde einen dramatischen Verlust der Arbeitsplätze heraufbeschwören und die Existenz des gesamten Klinikums an allen Standorten gefährden.

 Hier finden Sie den Bericht aus der Zeitung Rotenburg-Bebraer vom 08.09.2020





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