Herzchirurgie

Bypass-Operation am Herzen
(Aortokoronare Bypassoperation)

Die koronare Bypass Operation ist heute ein Routineeingriff mit geringem Risiko. Sie ist bei der Erkrankung mehrerer Koronargefäße und bei kompliziertem Erkrankungsmuster erforderlich. Es werden dabei körpereigene Gefäße als Bypassgefäße genutzt und die verschlossenen oder eingeengten Herzkranzgefäße mittels dieser Gefäße umgangen.

Der Eingriff wird deutschlandweit meist mittels Herzlungenmaschine vorgenommen wird. Alternativ gibt es aber auch Verfahren ohne Herz-Lungen-Maschine oder über minimalinvasive Zugänge der linken und der rechten Seite, die vor allem bei Patienten mit umschriebenen Verengungen an der Vorderwandarterie oder rechten Herzkranzarterie möglich sind. Der Vorteil der Bypass Operation liegt gegenüber den Stentverfahren in der Nachhaltigkeit.

Die koronare Herzerkrankung und ihre Folgen stellen bis heute in Deutschland die häufigste Todesursache dar. Symptome, die im Vorfeld auftreten können sind neben der klassischen Angina pectoris (Brennen im Brustkorb, Oberbauch oder Hals) ein Herzinfarkt oder bösartige Rhythmusstörungen. Gerade letztere führen häufig zum akuten Herztod.

Die Diagnostik erfolgt stufenweise zunächst mit dem Belastungs-EKG und zur genaueren Darstellung mittels Herzkatheter-Untersuchung. Beim Vorliegen leichter Formen der Gefäßveränderungen oder im akuten Infarktstadium ist die Therapie mittels Ballonerweiterung und Stentimplantation das Mittel der ersten Wahl. Bei langstreckigen Gefäßveränderungen, schweren Befunden sowie beim Befall aller drei Koronargefäße stellt die koronare Bypassoperation die Therapie der Wahl da. Insbesondere die Nachhaltigkeit der Bypass-Operation und die im Vergleich zu Katheterverfahren geringe Wahrscheinlichkeit erneuter Eingriffe am Koronarsystem machen sie hier zur Therapie der ersten Wahl. Sie besitzt gegenüber den Stents hier klare Vorteile in Bezug auf Sterblichkeit und Infarktgeschehen im weiteren Leben.

Die geplante koronare Bypass Operation stellt heute einen Routineeingriff dar, dessen Risiken in Bezug auf Frühsterblichkeit in einer ähnlichen Größenordnung liegen wie bei der Katheterintervention.

Bei der koronaren Bypass-Operation werden über einen Brustbeinschnitt die vorhandenen Verengungen in den Herzkranzgefäßen mittels Bypassgefäßen überbrückt und so die Versorgung der Muskulatur durch diese neuen Umgebungskreisläufe sichergestellt. Als Gefäßmaterial werden ausnahmslos körpereigene Gefäße verwendet. Neben den bevorzugten Brustwandarterien kommen hier die linke Armarterie oder auch Venen aus den Beinen in Frage.

Das HKZ verfügt über eine jahrzehntelange und große Erfahrung in der Verwendung beider Brustwandarterien zur Versorgung der verengten Herzkranzgefäße. Dieses hat den sehr großen Vorteil, dass diese Brustwandarterien im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nur selten verschleißen und so diese Form der Operation das nachhaltigste Ergebnis überhaupt liefert.

Die Verwendung von körpereigenen Venen hat hingegen den Nachteil, dass sich diese zum Ende über die Jahre zunehmend wieder verengen und so erneut Beschwerden auftreten.

Die koronare Bypass Operation wird in aller Regel mittels Herz-Lungen-Maschine vorgenommen, d.h. nach Entnahme der beiden Brustwandarterien, die über dem Brustbeinschnitt entnommen werden können, erfolgt der Anschluss der Herz-Lungen-Maschine an die großen Gefäße und das Einleiten eines sogenannten kardioplegischen Herzstillstandes mittels spezieller Infusionslösung in die Herzkranzgefäße. Hierdurch kommt das Herz zu einem kontrollierten Stillstand während dem die Herz-Lungen-Maschine seine Aufgaben übernimmt. Dies erlaubt eine sichere Darstellung der Koronargefäße und das Herstellen der sogenannten Anastomosen zwischen den Bypassgefäßen und den Herzkranzgefäßen. Die Herzkranzgefäße haben dabei einen Durchmesser von nur 1-2mm, sodass der Eingriff unter Verwendung spezieller Lupenbrillen qualitativ hochwertig vorgenommen werden kann.

Bei speziellen Risikokonstellationen wie Dialysepflichtigkeit, verkalkten Körperschlagadern oder schweren Lungen- oder Begleiterkrankungen kann der Eingriff alsternativ auch am schlagenden Herzen erfolgen. Hierbei verzichtet man auf die Verwendung der Herz-Lungen-Maschine und die Gefäßverbindungen werden am schlagenden Herzen vorgenommen. Auch diese stellt heute ein etabliertes Verfahren dar, allerdings zeigen große Studien, dass diese Verfahren nur bei Risikopatienten Vorteile zeigt, hingegen bei der Qualität der Bypass- und Anastomosenverhältnisse Einschränkungen möglich sind.

Ein besonderes Verfahren stellt die Bypass-Operation nicht über den Brustbeinschnitt, sondern über einen kleinen Zugang links oder rechts am Brustkorb dar. Insbesondere auf der linken Seite ist somit die Versorgung des Vorderwandgefäßes mit der linken Brustwandarterie am schlagenden Herzen möglich. Aber auch rechts findet sich zunehmend die Möglichkeit über die rechte Brustwandarterie die rechte Herzkranzarterie zu versorgen.

Beide Verfahren kommen in aller Regel nur dann in Betracht, wenn isoliert das jeweilige Herzkranzgefäß erkrankt ist. Vorteil dieses Verfahren ist neben dem Verzicht auf die Herz-Lungen-Maschine die Nutzung der Brustwandarterien und eine sehr rasche Erholung mit einem geringen Risiko an Wundkomplikationen.