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Aktueller Termin - 1. und 2. Juni 2018:
1. Rotenburger Herztage
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TAVI-Zertifizierung für das HKZ - erstes Zentrum in Nordhessen

Erstes Zentrum in Nordhessen
Das Herz-Kreislauf-Zentrum in Rotenburg ist nach der Auditierung am 13. Januar 2017 im Februar 2017 als erste Klinik in Nordhessen mit dem Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als „TAVI-ZENTRUM“ ausgezeichnet worden. „Große Sorgfalt und ein hoher Qualitätsanspruch bei einem solchen Verfahren sind die Eckpfeiler einer erfolgreichen Behandlung“ sagt Kardiologie Chefarzt Prof. Dr. Holger Nef. „Wir besprechen in regelmäßigen „Herz-Team“-Konferenzen jede einzelne Patientengeschichte. Dabei sind wichtige Fragen zu dem individuellen Risiko für den Eingriff selbst und für Komplikationen zu diskutieren. Eine weitere wichtige Rolle spielen bei der Entscheidung auch weitere Erkrankungen des Patienten“, so Nef weiter. Die Gutachter der DGK attestieren dem Team des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg ein „sehr gut strukturiertes Klappenprogramm. Mehrere Ärzte mit hoher Expertise. Exzellente Kooperation zwischen den Disziplinen Herzchirurgie und Kardiologie. Kurze organisatorische Wege und Prozeduren werden sehr sorgfältig durchgeführt." Zudem wurde die im Bundesdurchschnitt außergewöhnlich geringe Sterblichkeit am HKZ hervorgehoben.

In Hessen gibt es bislang nur in Frankfurt, Bad Nauheim und Gießen zertifizierte TAVI-Zentren; in Deutschland sind es insgesamt 36.

Das Alter als Risikopotential
Die Erkrankungen an Herzklappen insbesondere der Aortenklappe, nehmen mit dem Alter kontinuierlich zu. Betroffen sind vor allem Menschen, die das 70. Lebensjahr überschritten haben. Der chirurgische Ersatz durch eine künstliche Klappe erlaubt die fast vollständige Regeneration. Neben der klassischen Operation wurde seit 2008 durch ein neueres alternatives Verfahren namens TAVI der Ersatz der Aortenklappe auch für alte und kranke Risikopatienten möglich, die bis vor einigen Jahren nicht mehr behandelt wurden, weil eine Herzoperation häufig zu riskant erschien. TAVI steht für englisch „Transcatheter Aortic-Valve Implantation“ und revolutioniert die Behandlung der Aortenklappen-Erkrankung insbesondere bei älteren Patienten und hat sich zu einem festen Bestandteil in der Therapie der Aortenklappenstenose entwickelt.

Herzklappe mittels Katheter
Bei dem Eingriff wird eine passgenaue, zusammengefaltete Herzklappe über einen Katheter, vornehmlich über die Leistenarterie in die Position der degenerierten Aortenklappe des Patienten vorgeschoben und dort entfaltet. Dies geschieht schonend am schlagenden Herzen, so dass auf den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine und auch zumeist auf die Eröffnung des Brustkorbes verzichtet werden kann. Der erfolgreiche Ersatz der Herzklappe bedeutet für den so behandelten Patienten eine verlängerte Lebenserwartung mit verbesserter Lebensqualität.

Sicherheit, Teamarbeit und kurze Wege
„Unser Herz-Team aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten und wenn nötig weiteren Fachdisziplinen vor Ort, arbeitet vorbildlich zusammen“, betont Prof. Dr. Ardawan Rastan, Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie. „Unsere über alle Fach- und Berufsgruppen gelebte Kooperation wird durch gute bauliche Voraussetzungen unterstützt. So stehen uns ein  moderner Hybrid-OP, mehrere Herzkatheterlabore und zwei Intensivstationen rund um die Uhr zur Verfügung. Die Anbindung im Zentrum für Cardiolpulmonale Medizin (CPM) erleichtert zudem seit Herbst 2016 den Austausch mit den Herzzentren in Giessen, Marburg und Bad Nauheim. Eine unserer Stärken ist, dass wir im Falle einer Komplikation, diese sehr zeitnah operativ versorgen und so die damit verbundene Gefahr für den Patienten rasch kontrollieren können“, so Rastan weiter.

Minimalinvasive TAVI-Aortenklappen-Implantationen werden in Rotenburg bereits seit 2010 vorgenommen, bislang insgesamt 509 Mal. Im Jahr 2016 waren es alleine 108 Eingriffe. Die Zahl des herkömmlichen chirurgischen Aortenklappenersatzes lag im Herz-Kreislauf-Zentrum isoliert oder in Kombination mit anderen Eingriffen für das Jahr 2016 bei 162 Operationen.

Hintergrund:

Für Eingriffe an der Aortenklappe des Herzens, die nicht konventionell mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine am ruhenden Herzen, sondern durch eine katheter-gestützte Herzklappenintervention am schlagenden Herzen vorgenommen werden, gelten seit Januar 2015 qualitätssichernde Mindeststandards. Dies hat seinen Grund darin, dass beide Methoden jeweils spezifische Vor-, aber auch Nachteile haben können und sich beide Verfahren im Spannungsfeld der operativen und internistischen Fachdisziplinen befinden. Um hier eine Konkurrenzsituation auszuschließen und für einen individuellen Patienten die bestmögliche Therapieentscheidung zu finden, hat der Gesetzgeber die feste Implementierung eines interdisziplinären Herzteams und das Vorhandensein fester Kliniks- und Teamqualifikationen eingefordert.

Der gesetzliche Beschluss durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gilt für Krankenhäuser, die katheter-gestützte Aortenklappenimplantationen (TAVI), aber auch katheter-geführte Verfahren an der Mitralklappe durchführen. Diese Zentren müssen bestimmte strukturelle, fachliche und personelle Anforderungen nachweislich erfüllen, um diese Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung anbieten zu dürfen. Die Qualitätsvorgaben der neuen G-BA-Richtlinie betreffen die Indikationsstellung, die Durchführung der Eingriffe sowie die stationäre Nachbehandlung der Patientinnen und Patienten. Ziel ist es, durch Interdisziplinarität das Komplikationsrisiko zu senken und die Behandlung von Komplikationen zu verbessern. Diese Voraussetzungen nach dem G-BA-Beschluss werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft.

Aber auch die jeweiligen Deutschen Fachgesellschaften fordern spezifische Zentrumsvoraussetzungen und individuelle ärztliche Qualifikationen ein. Während die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) eine operateur-spezifische Qualifikation zertifiziert, hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) seit 2015 eine umfassendes Zertifizierungsverfahren entwickelt, das neben Strukturvoraussetzungen des jeweiligen Zentrums auch spezifische Qualifikationen der Herz-Team-Mitglieder und auch ein ausreichendes Behandlungsvolumen abprüft. Diese Kriterien zur Indikations-, Prozess- und Strukturqualität werden durch eine Überprüfung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. mit einem Zertifikat als „TAVI-Zentrum- DGK zertifiziert“ bescheinigt.